Grillen auf argentinisch: Asado

Argentinien ist weltweit bekannt für seine Rindfleischproduktion und Deutschland gehört zu den größten Importeuren von argentinischem Fleisch. Obwohl die Fleischpreise in Argentinien in den letzten Jahren angestiegen sind, lassen es sich die meisten Argentinier nicht nehmen regelmäßig ein sogenanntes „Asado“ zu machen. Dabei kommen nicht nur Steaks auf den Grill! Was alles zu einem echt argentinischen Asado gehört erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Asado oder die Kunst des Grillens

Asado bedeutet soviel wie Grillfest bzw. BBQ und ist in ganz Argentinien fester Bestandteil der Esskultur. Wer Gegrilltes in einem Restaurant essen möchten, muss sich nach einem Lokal mit dem Beinamen „Parrilla“ (Grill) umsehen und dort „Parrillada“ oder „Churrasco“ bestellen. Traditionell isst man Asado in Argentinien am Wochenende im Beisein von Familien und Freunden im heimischen Garten. Viele Häuser und sogar Wohnungen verfügen dazu im Garten oder auf dem Balkon über einen „Asador“, das heißt einen massiven Steingrill.

Gleichzeitig ist Asador aber auch die Bezeichnung für den Grillmeister. Einen solchen – meist selbst ernannten – „Experten“ für die Zubereitung des Asados gibt es in jedem argentinischen Freundes- und Familienkreis. Dabei hat jeder argentinische Asador seine mehr oder weniger geheimen Methoden zur Zubereitung des Fleischs: von der Art der Marinade bis zur Temperatur des Feuers. Wer etwas auf sich hält macht das Grillfeuer in Argentinien mit echtem Holz, der sogenannten „Leña“, anstatt mit Holzkohle („Carbón“).

Eine Besonderheit ist außerdem die Parilla „a la estaca“, bei der ein Rind, Lamm oder Schwein aufgespießt über einem Lagerfeuer gegart wird. Letzteres ist jedoch eher für größere Feste vorbehalten.

Asado: mehr als nur Steak

Ein Asado ist nicht einfach nur ein Essen, sondern ein Event für die ganze Familie und zieht sich dementsprechend meist den ganzen Nachmittag oder Abend. Zu einem echt argentinischen „Asado Criollo“ gibt es als Vorspeise meist Empanadas. Ebenfalls üblich ist eine Picada, d.h. Eine Snackplatte mit Käse, Salami, Mortadella, Oliven etc. Dazu wird meist schon reichlich Bier oder Rotwein getrunken, während man mit dem Grillmeister ein Schwätzchen hält oder die Beilagensalate vorbereitet. Beim Servieren des Asados wird zumindest im privaten Umfeld traditionell zu einem Applaus für den Grillmeister aufgerufen: un aplauso para el asador!

Und was kommt bei so einem echt argentinischen Asado alles auf den Teller?

Hier eine Liste der Bestandteile einer klassischen argentinischen Parrillada:

Vacio: ein zartes Flankensteak vom Rind

Costillas bzw. Costillar: Rippenstück vom Rind, Kalb oder Schwein

Riñon: Rinder-Niere

Mollejas: Kalbsbries

Achuras: allgemeine Bezeichnung für Innereien

Chinchulines: Dünndarm vom Rind

Tripa gorda/ Tripa rellena: Dickdarm vom Rind, oft mit Käse-Gemüsefüllung

Chorizo: Wurst aus Rinds- und Schweinefleisch; würzig aber nicht scharf

Morcilla: Blutwurst

Provoleta: Grillkäse

95215122-F9BC-4961-90DE-869484BC4B46
Asado mit Costillas, Morcilla, Chinchulines, Chorizos und Mollejas im Steingrill.

Dazu gibt es normalerweise verschiedene Salate und Weißbrot. Das Fleisch wird in Argentinien in der Regel gut durchgebraten serviert. Falls ihr Asado im Restaurant esst und euer Fleisch lieber leicht rosa mögt, dann bestellt es „a punto“ bzw. „jugoso“ für leicht blutig.

Zum Abschluss noch ein Tipp: Zum Steak unbedingt „Chimichurri“ probieren! Chimichurri ist eine sehr aromatische Grillsauce auf Basis von Essig, Olivenöl, Knoblauch, Thymian, Oregano und etwas Ají (Chili).

Advertisements

Feliz Navidad: Fragen und Antworten rund um Weihnachten in Argentinien

Advent, Advent ein Lichtlein brennt… Der Dezember ist angebrochen und die Vorweihnachtszeit ist in vollem Gange. Während es in Europa diese Woche vielerorts geschneit hat, beginnt in Argentinien gerade der Sommer mit schwülen 32 Grad — zumindest in Santa Fe. Dieses Jahr ist für mich das erste Mal, dass ich im Dezember nicht nur in Argentinien zu Besuch bin, sondern hier lebe.

Dieser Beitrag wurde inspiriert durch Simone von kultreiseblog.de und ist Teil ihrer Blogparade rund um Weihnachten im Ausland. Dort findet Ihr Beiträge von verschiedenen Bloggern aus aller Welt und erfahrt, wie diese Weihnachten fern de Heimat feiern. Simone hat ebenfalls einen interessanten Post zu Weihnachtem im australischen Hochsommer auf ihrem Blog verfasst.

Wie sehen wohl die Vorweihnachtszeit und das Weihnachtsfest im argentinischen Hochsommer aus? Welche Traditionen gibt es und wie unterscheiden sich diese von Weihnachten in Deutschland? Was kommt zu Weihnachten in Argentinien auf den Tisch?

Hier meine FAQ rund um Weihnachten in Argentinien:

Wann wird Weihnachten in Argentinien gefeiert?

In Argentinien ist der 25. Dezember der offizielle Feiertag, der 24. und 26.12. sind hier keine nationalen Feiertage. Trotzdem findet sich die Familie bereits am 24.12. nach der Abendmesse zu einem großen Festmahl zusammen. Um Mitternacht wird mit Sekt oder Cidre angestoßen und die Geschenke dürfen ausgepackt werden. Danach geht es raus, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen und frohe Weihnachten zu wünschen. Am Folgetag gibt es wieder ein Festmahl, oft mit dem weiteren Familien- und Freundeskreis.

Vielerorts in Argentinien gibt es um Mitternacht außerdem ein Feuerwerk. Letzteres ist seit diesem Jahr in der Stadt Santa Fe jedoch verboten. Das Verbot geht auf Initiativen des örtlichen Tierschutzvereins sowie des Vereins für Kinder mit Autismus zurück.

Was gibt es an Weihnachten in Argentinien zu essen?

Das hängt ganz von der Familie ab, aber wer die Möglichkeit dazu hat, macht hier ein großes Asado (Grillfest) mit Rindfleisch oder Spanferkel. Alternativ gibt es zum Beispiel gefüllten Schweinebraten, den Matambre. Weitere typische Gerichte sind „Vitel thoné“ (Fleisch mit Anchovis-Soße), „Ensalada rusa“ (Kartoffelsalat mit Erbsen und viel Mayonnaise) sowie „Pionono de atún“ (Biskuitteigrolle mit Thunfischfüllung). Außerdem gibt es reichlich Süßes, so zum Beispiel „Masitas de Jengibre“ (Ingwerkekse), „Turron“ (spanischer Nougat) und das absolute Must-Have des argentinischen Weihnachtsfests: Pan Dulce. Noch ein kulinarischer Import aus Italien. Der Einfluss der europäischen Einwanderung ist also auch beim argentinischen Weihnachtsessen deutlich zu spüren oder vielmehr zu schmecken.

Wie sieht die Weihnachtsdekoration in Argentinien aus?

Shoppingcenter und Supermärkte schmücken schon im November, in Fußgängerzonen und auf größeren Plätzen wird im Dezember die Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt — oft an Palmen und Jacaranda-Bäumen, was durchaus seinen Charme hat. Traditionell stellen die Argentinier ihren Weihnachtsbaum am 8. Dezember auf und schmücken ihn meist in rot, gold, weiß und silber, ähnlich wie „bei uns“. Allerdings ist der Weihnachtsbaum hier generell aus Plastik. Auch die übrige Deko ist sehr europäisch bzw. U.S.-amerikanisch inspiriert: Rentiere, Sterne, Schneeflocken, Kunstschnee — etwas bizarr angesichts der Hitze aber trotzdem irgendwie schön. Allgemein finde ich, dass etwas weniger geschmückt wird als in Europa. Einen Adventskranz gibt es in der Regel nicht, weihnachtliche Türkränze sind aber schon üblich.

Wer bringt die Geschenke in Argentinien?

Der Weihnachtsmann bzw Santa Claus, auch „Papá Noel“ genannt. Und der argentinische Weihnachtsmann sieht auch genauso aus: weisser Bart, rotes Kostüm inklusive Mütze und schwarzen Stiefeln — und das im Hochsommer! Mir tun die Weihnachtsmänner, die sich hier bald in Shopping-Centern und Fußgängerzonen zum Vergnügen der Kinder tummeln werden jetzt schon leid!

Wird in Argentinien auch Nikolaus gefeiert?

Nein, Nikolaus ist kein Feiertag in Argentinien. Trotzdem stellen argentinische Kinder ihre Stiefel bzw. Schuhe vor die Tür, um Geschenke darin zu finden — allerdings erst am 6. Januar (Heilige 3 Könige).

Was fehlt mir in der Weihnachtszeit in Argentinien?

Definitiv die traditionellen Weihnachtsmärkte mit Duft nach Glühwein und gebrannten Mandeln. Und die Kälte. Aber vielleicht gewöhne ich mich auch noch an Weihnachten im Hochsommer.

B4C03122-E38D-44F7-8266-D0457B7B692E.png
Weihnachtsbaum in der Galeria Pacífico, Buenos Aires

Habt ihr auch schon Weihnachten im Ausland gefeiert oder werdet ihr Weihnachten dieses Jahr im Ausland verbringen?

Simones Blogparade läuft noch bis zum 6.12., d.h. Ihr könnt noch mitmachen!

 

Ich wünsche euch einen schönen ersten Advent und eine frohe Weihnachtszeit!

Argentinische Küche: Milanesa Napolitana (mit Rezept)

Die Milanesa ist das Pendant zur italienischen cotoletta a la milanese oder im deutschen Sprachraum zum Wiener Schnitzel. Milanesas sind also dünne Filetstücke, die paniert und anschließend gebraten werden. Das Rezept wurde von europäischen Einwanderern nach Argentinien gebracht, ist aber z.B. auch in Uruguay, Paraguay und Perú sehr verbreitet.

Wie die Milanesa in Argentinien zubereitet und gefeiert wird

In Argentinien ist Milanesa ein sehr beliebtes und noch dazu recht günstiges Gericht: man bekommt es in nahezu jedem Restaurant oder Imbiss, entweder „al plato“ mit Salat und Kartoffeln/Pommes oder als Streetfood in Sandwichform. Bei meinem Metzger des Vertrauens in Santa Fe kostet 1 kg Kalbsschnitzel umgerechnet 7 Euro.

Klassische Milanesa isst man in Argentinien meist mit etwas Zitronensaft und Savora, einem milden Senf. Manchmal wird Milanesa auch mit Spiegelei serviert. In der Regel werden Milanesas hier aus Kalbs- oder Rindfleisch zubereitet, es gibt jedoch auch die Variante aus Geflügel. Für Vegetarier gibt es in vielen Supermärkten und manchen Restaurants inzwischen Milanesas aus Soja, Spinat oder Kürbis.

Der Klassiker der argentinischen Küche wird jährlich am 3. Mai mit dem „Dia de la Milanesa“ (Tag des Schnitzels) gefeiert. In sozialen Netzwerken werden anlässlich dieses Tages reichlich Fotos von Milanesas geteilt und in Restaurants gibt es besondere Milanesa Menüs — aber eigentlich gehen Milanesas in Argentinien immer.

Milanesa a la Napolitana: made in Argentina

Die Milanesa (a la) Napolitana ist in Argentinien ein besonders beliebtes Rezept. Sozusagen die fancy Version der normalen „Mila“ oder „Milanga“ wie man sie hierzulande umgangssprachlich nennt.

Der Name des Rezepts kommt nicht von der italienischen Stadt Neapel, sondern geht auf den Namen seines Erfinders zurück: José Nàpoli. In seinem Restaurant „Napoli“ in Buenos Aires servierte er in den 1940er Jahren erstmals Milanesa Napolitana. Diese besteht aus einem Schnitzel, welches zunächst gebraten und dann wie eine Pizza mit etwas Tomatensoße, Schinken und Mozzarella belegt wird. Danach wird die Mila im Ofen fertig gebacken. Ein sehr simples aber schmackhaftes Rezept!

Mein Rezept für 4 Milanesas a la Napolitana

Zutaten:

4 dünne Stücke Kalbsfleisch

2 Eier

Paniermehl

Zitronensaft

2 Knoblauchzehen

Petersilie (am besten frisch)

Oregano

1-2 Packungen Mozzarella

250ml passierte Tomaten (oder fertige Tomatensoße)

Optional: 4 kleine Scheiben Kochschinken & 1 Tomate

Salz und Pfeffer

1. Schnitzel vorbereiten: platt klopfen. In einer Schüssel die Eier mit ca 2 EL Zitronensaft, dem klein gehackten Knoblauch und 1 EL klein gehackter Petersilie vermischen, mit ca 1TL Salz und Peffer würzen und nochmals alles gut vermischen. Die Fleischstücke in die Ei-Mischung geben und darin wenden, ca 10 min darin ziehen lassen. Anschließend eine zweite Schüssel mit Paniermehl vorbereiten und die Fleischstücke darin wenden. Die panierten Schnitzel von beiden Seiten leicht golden braten und dann auf ein geöltes Backblech oder in eine geölte Ofenform legen. Ofen auf 200 Grad vorheizen.

2. Für den Napolitana Belag: passierte Tomaten in einer kleinen Schüssel mit etwas Salz, Pfeffer und Oregano vermischen (wer direkt eine Fertigsoße benutzt überspringt diesen Schritt). Die Soße danach auf die Milanesas geben. Optional Schinkenstreifen darüber legen. Mozzarella in Scheiben schneiden und über die Tomatensoße bzw. den Schinken legen. Optional Tomate in Scheiben schneiden und über den Mozzarella legen. Die fertig belegte Milanesa mit etwas Oregano bestreuen.

3. Die belegten Milanesas bei 200 Grad im Ofen ca 8-10min überbacken, sodass der Käse schön verläuft bzw. leicht gebräunt wird.

4. Milanesas Napolitana auf einem Teller anrichten. Dazu passt gut Ruccula-Salat mit Pinienkernen oder Walnüssen. Wer es etwas deftiger mag serviert die Milanesas mit Pommes oder Kartoffeln.

Und voilà: buen provecho, guten Appetit!

A76817CF-7D2C-4FDE-99A6-14B502FB1D1E.png
Milanesa Napolitana mit gemischtem Salat

Argentinische Küche: Ñoquis del 29 — und was das Traditionsgericht mit Politik zu tun hat

Argentinien ist ein klassisches Einwanderungsland und das schlägt sich stark in der lokalen Esskultur nieder. Die meisten Argentinier haben europäische Vorfahren, besonders viele davon stammen aus Italien: Schätzungen des argentinischen Statistikinstituts INDEC zufolge sollen mehr als die Hälfte der 44 Millionen Argentinier mindestens einen italienischen Verwandten bzw. Vorfahren haben.

Kein Wunder, dass Argentinier Spezialitäten aus Italien lieben! Von Fernet Branca bis Milanesa — und eben auch Gnocchi. Ja genau, die kleinen, schmackhaften Teigkugeln aus Italien, welche aus einer Kartoffelmehlmischung hergestellt werden.

Die heißen in Argentinien jedoch „Ñoqui“.

Italienisches Traditionsgericht auf argentinisch

Heute ist der 29. November und wie an jedem 29. des Monats kommen in vielen argentinischen Familien heute „Ñoquis“ auf den Tisch. Deshalb kann man frische Ñoquis oder die vorgefertigte Mehlmischung hier in wirklich jedem Supermarkt kaufen. Am besten schmecken die Teigkugeln aber natürlich selbst gemacht — am liebsten ganz traditionell zubereitet von der argentinischen „Mamà“ oder noch besser der „Nona“/„Yaya“ (Oma). Meist werden Ñoquis ganz klassisch mit Tomatensoße oder Sahne und Parmesankäse serviert. Außerdem legt die Mama/Oma ihren Lieben traditionell eine Geldmünze unter den Teller. Heute, angesichts der Inflation, wohl eher einen Geldschein.

Warum isst man in Argentinien „Ñoquis“ am 29. jeden Monats?

Ñoquis sind ein leckeres und günstiges Essen, das satt macht. Optimal fürs Monatsende, falls es finanziell ein wenig eng wird. Aber das ist nicht der einzige Grund.

Die Tradition wurde Ende des 19. Jahrhunderts von italienischen Einwanderern mitgebracht und ist heute fester Bestandteil der argentinischen Kultur.

In Italien wiederum ist der Brauch, Gnocchis am 29. zu essen auf eine jahrhundertealte Sage zurückzuführen. Demnach soll der Märtyrer und Heilige Pantaleon bei seiner Ankunft im heutigen Italien Unterschlupf bei einer Fischerfamilie gefunden haben. Der Familie ging es zu diesem Zeitpunkt finanziell sehr schlecht, denn es gab aufgrund von Wettereinflüssen nur wenige Fische zu fangen. Trotzdem bot die Familie Pantaleon einige Tage Unterschlupf und bereitete ihm zum Abschied ein großzügiges Mahl – u.a. bestehend aus einem Vorläufer der Gnocchis (aus normalem Weizen- statt Kartoffelmehl, denn Kartoffeln gab es in Europa noch nicht). Beim Abschied an einem 29. Juli soll Pantaleon der Familie Goldstücke unter den Tellern gelassen und bessere Zeiten vorausgesagt haben, was sich in den folgenden Monaten erfüllte. Und so wurde es in Italien mit Überlieferung dieser Geschichte zum Aberglauben, dass das Essen von Gnocchi am 29. finanzielles Glück bringt.

Und was haben „Ñoquis“ mit Beamten und Politik zu tun?

Ñoquis machen satt, sind jedoch nicht besonders nahrhaft. Böse argentinische Zungen behaupten, dass dies auch auf die Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst zutreffe, denn es gäbe davon sehr viele aber nützen tun diese nicht viel. In den letzten 2 Jahren wurden die menschlichen Ñoquis besonders viel diskutiert – vor allem mit dem langsamen Aufdecken verschiedener Korruptionsskandale unter der ehemaligen Kirchner-Regierung. Es stellte sich offenbar heraus, dass viele Posten im öffentlichen Dienst nur scheinbar existierten: Mehr oder weniger qualifizierte Personen wurden wohl für einen Schein-Posten angestellt, drehten dort jedoch entweder die meiste Zeit über Däumchen oder tauchten gar nicht erst zur Arbeit auf. Außer am Ende des Monats, nämlich um den 29. herum, um die Gehaltsabrechnung abzuholen. Daher eben die spotthafte Bezeichnung „Ñoqui“. Noch schlimmer daran sei Medienberichten zufolge, dass einige dieser Schein-Angestellten gleich mehrere solcher Posten besetzten. Vetternwirtschaft extrem sozusagen.

Und um noch eins drauf zu setzen gab es angeblich Fälle in denen öffentliche Einrichtungen „Deals“ mit solchen Geistermitarbeitern gemacht haben sollen. D.h. Laut Vertrag soll ein Mitarbeiter die Summe X bezahlt bekommen, in Wirklichkeit erhielt der Mitarbeiter (fürs Nichtstun) aber nur einen Teil der Summe und der Rest floss in die Taschen der Verantwortlichen, darunter angeblich auch hochrangige Politiker. Alles auf Kosten der Steuerzahler natürlich. Soweit zumindest die aktuelle politische Diskussion hier in Argentinien. Die Beteiligten streiten natürlich – ob zurecht oder unrecht möchte ich nicht urteilen – alles ab. Die Untersuchungen und Gerichtsverfahren bezüglich solcher „Ñoquis“ stehen noch aus. Die aktuelle Regierung unter Präsident Macri scheint gegen ein solches „Ñoqui-Dasein“ vorgehen zu wollen, so zumindest die Begründung für das Streichen vieler öffentlicher Stellen in Ämtern und Universitäten. Was daraus wird zeigt die Zukunft.

In der Zwischenzeit essen wir hier weiter jeden 29. die traditionellen Ñoquis.

D11DFD35-EF20-4D23-99F1-AA60CC9D9DD9.jpeg
Bei uns gab es an diesem 29. Ñoquis mit Käse-Spinatsoße.

Fernet con Coca: DAS argentinische Kultgetränk

Und noch eine italienische Spezialität, die ihren Weg nach Argentinien gefunden hat und heute fester Bestandteil der argentinische Kultur ist: Fernet Branca. Es handelt sich um einen hochprozentigen Magenbitter (ca 40% Alkohol), der aus einer geheimen Kräutermischung hergestellt wird.

Fernet-Konsum Argentinien

Fernet Branca kennt man in Deutschland wohl meist als die verstaubte grüne Flasche, die in der Bar ganz hinten im Getränkeregal steht. In Italien wird Fernet Branca vorwiegend von älteren Herrschaften als Verdauungshilfe nach dem Essen getrunken. In Argentinien hingegen trinken Jung und Alt Fernet auf Parties, beim Grillen, beim Fußball schauen… allerdings nicht pur, sondern gemischt mit Cola. Es gibt hier kaum eine Bar, bei der Fernet con Coca (Fernet mit Cola) nicht auf der Getränkekarte steht. Argentinien weist den weltweit höchsten Konsum von Fernet Branca vor. Nach Wein und Bier ist Fernet das beliebteste alkoholische Getränk in Argentinien. Die Nachfrage ist so hoch, dass der mailändische Hersteller Fratelli Branca Destilerias sogar direkt vor Ort in Argentinien produziert, um den langen und teuren Import zu umgehen.

Besonders in der Provinz Córdoba ist das Kultgetränk beliebt und einer urbanen Legende zufolge wurde der Cocktail dort sogar erfunden. Aktuell ist im Gespräch, ob „Fernando“ — so wird Fernet mit Cola in Córdoba genannt — zum immateriellen Kulturerbe von Córdoba ernannt werden soll.

Weitere Fernet Versionen

Neben dem originalen Fernet Branca gibt es in Argentinien noch weitere Fernet Hersteller, meist zu günstigeren Preisen, so zum Beispiel Vittone oder 1882. Qualitativ und geschmacklich unterscheiden sich die verschiedenen Marken jedoch etwas. Außerdem gibt es neben dem klassischen Fernet noch die Version mit Minzgeschmack (Fernet Menta). Fernet Menta wird mit Sprite anstatt mit Cola gemischt und das Ganze ergibt eine grünliche Farbe.

Rezept: Der perfekte Fernet con Coca

Serviert wird Fernando in der Regel in einem 300-400ml fassenden geraden Cocktailglas.

Das Glas wird mit einigen Eiswürfeln gefüllt bevor die Getränke-Mischung eingegossen wird. Die Mischung sollte idealerweise 1/3 Fernet betragen, aufgefüllt mit 2/3 Coca Cola. Dabei entsteht eine Schaumkrone und diese wird nochmal mit einem kleinen Schuss Fernet vollendet.

Gut zu wissen: Für Fernando wird immer die klassische Cola verwendet. Wer in einer argentinischen Bar Fernet mit Cola Light/Zero bestellt, muss damit rechnen ziemlich schief angeschaut zu werden.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich zum ersten Mal Fernet mit Cola probiert habe: „BÄH, schmeckt wie Hustensaft“, war mein erster Gedanke. Nach einem zweiten Schluck dachte ich „hmmm doch gar nicht so schlecht“ und schließlich habe ich das Kultgetränk schätzen gelernt.

Habt ihr schonmal Fernet mit Cola probiert? Dann lasst mir gerne einen Kommentar da, wie er euch geschmeckt hat.

444 Jahre: Zum Jubiläum 5 Fakten über Santa Fe

Santa Fe ist Hauptstadt der gleichnamigen argentinischen Provinz und liegt etwa 500km von Buenos Aires entfernt. Mit circa 400.000 Einwohnern ist Santa Fe die achtgrößte Stadt Argentiniens. Gegründet wurde sie vor 444 Jahren am 15.11.1573 von Juan de Garay – jedoch einige Kilometer von der aktuellen Lage entfernt, nämlich bei Cayastá. Die Überbleibsel dieser ursprünglichen Siedlung kann man dort besichtigen. Heute befindet sich Santa Fe am Rio Paraná auf Höhe der Lagune Setubal. Der Fluss teilt die Stadt, und die beiden Ufer werden vom Wahrzeichen der Stadt, der Puente Colgante, d.h. Hängebrücke, miteinander verbunden.

Soweit zu den grundlegenden Informationen. Nun zu meinen 5 Lieblings–Funfacts über meine neue Wahlheimatstadt Santa Fe:

1 Wiege der Verfassung

Santa Fe gilt als Wiege der argentinischen Verfassung, da diese dort am 1. Mai 1853 sanktioniert wurde. Die Stadtverwaltung baut derzeit an einem neuen Museum sowie einem Park zu Ehren der Verfassung.

2 Herzlichkeit und Gastfreundschaft

Der Spitzname der Stadt ist „La Cordial“, das bedeutet soviel wie die Herzliche. Zurückzuführen ist dieser Beiname auf die berühmte Gastfreundschaft der Santafesinos und das breite kulturelle Angebot der Stadt: es gibt hier unzählige Bars, Cafes, Restaurants und ständig wechselnde kulturelle und sportive Veranstaltungen. So zum Beispiel das jährliche Bierfest im Juli/August, das Super TC2000 Autorennen im August, die Fiesta de la Cumbia Santafesina im November uvm.

3 Auf den Spuren von Papst Franziskus

Als Papst Franziskus noch ganz bürgerlich mit Jorge Bergoglio angesprochen wurde, arbeitete er von 1964 bis 1965 als Lehrer am Colegio Inmaculada – der ältesten Schule Argentiniens. Die Santafesinos sind mächtig stolz auf ihren ehemaligen Mitbürger und es gibt zahlreiche touristische Veranstaltungen und Souvenirs rund um Papst Franziskus.

4 Für Naschkatzen

Die berühmten Alfajores argentinos wurden zunächst in Santa Fe bekannt und verbreiteten sich von dort aus als beliebtes Dessert in ganz Argentinien. Alfajores merengos oder Alfajores santafesinos haben ihre Wurzeln in der spanische Küche und bestehen traditionell aus zwei Maismehlkeksen mit Dulce de Leche Füllung und damit das Ganze besser zusammenhält, kommt darüber ein Zuckerguss. Inzwischen gibt es jedoch viele verschiedene Alfajor-Hersteller und Rezepte in ganz Argentinien sowie Uruguay und Brasilien.

5 Für Bierliebhaber

In der Stadt Santa Fe gibt es zahlreiche große und kleine Bierbrauereien sowie mehrmals jährlich verschiedene Festivals rund ums kühle Blonde. Aufgrund der guten Wasserqualität in Santa Fe soll das Bier hier einen besonders guten Geschmack haben – persönlich stimme ich da auf jeden Fall zu, aber Geschmäcker sind natürlich verschieden. Zu den Wahrzeichen der Stadt gehört das Liso: Ein blondes Faßbier, welches in einem glatten 300ml Glas serviert wird. Auf den ersten Blick so ähnlich wie Kölsch, aber intensiver im Geschmack. Das Liso ist in nahezu allen Bars und Restaurants präsent und ist offizielles Kulturerbe der Stadt Santa Fe.

In diesem Sinne Prost!

Argentinische Küche: Empanadas (Rezept)

Empanadas sind gefüllte Teigtaschen und fester Bestandteil der spanischen sowie südamerikanischen Küche. In Argentinien sind Empanadas besonders beliebt und man bekommt sie in nahezu jedem Imbiss oder Restaurant. Sie werden als Vorspeise, Snack oder auch als Hauptspeise mit Beilage serviert. Man kann sie sowohl warm als auch kalt genießen. Klassische „Empanadas Argentinas“ sind halbmondförmig und mit Hackfleisch, Eiern, Zwiebeln und Oliven gefüllt, gewürzt mit einer Mischung aus Salz, Pfeffer, Zitronensaft und Kümmel. In Argentinien wird in der Regel nicht besonders scharf gewürzt aber meist hat man die Wahl zwischen den normalen Hackfleisch-Empanadas und der schärferen Version „picante“, welche zusätzlich mit etwas Ají (Chili) verfeinert wird.

Regionale Varianten, Formen und Zubereitungsarten

Jede Region in Argentinien hat ihre typische Empanada. In Córdoba werden Empanadas neben Fleisch und Zwiebeln auch mit Kartoffeln und Rosinen gefüllt, sodass sie einen etwas süßlichen Beigeschmack haben. In Patagonien gibt es Empanadas mit Lammfleisch und Fischfüllung. Empanadas unterscheiden sich jedoch nicht nur durch die Füllung, sondern auch durch die Zubereitungsweise: Meist werden sie im Ofen gebacken, im Norden Argentiniens gibt es jedoch auch die frittierte Variante, die Empanadas Salteñas. Nicht alle Empanadas sind in Argentinien halbmondförmig. Die Empanadas Arabes zum Beispiel haben eine dreieckige oder Trapezform und sind etwas knoblauchlastiger und würziger.

Hier noch mehr Varianten für Empanada-Füllungen:

Empanada de jamón y queso (Käse und Schinken)

Empanada de Pollo (mit gehacktem Hühnchenfleisch)

Empanada Caprese (Mozzarella, Tomaten und Basilikum)

Empanada de Verdura (Lauch oder Mangold und Käse)

Empanada Humita (Mais und Mozzarella)

36546EE4-0A80-423D-B09D-2BAC208A5CEC

Rezept für Empanadas

Habt ihr Lust auf Empanadas bekommen? Ich teile mit euch ein Grundrezept für klassische Empanadas Argentinas nach meiner Schwiegermutter. Natürlich könnt ihr die Füllung und Gewürze nach Belieben abwandeln, lasst eurer Kreativität freien Lauf!

Zutaten für ca 12 Empanadas:

Teig:

450 gr Mehl

350 gr Butter oder Magarine in Stückchen

200 ml lauwarmes Wasser

1 TL Salz

2 Eier

Salz in Wasser auflösen und zusammen mit allen restlichen Zutaten in eine Schüssel geben und vermengen bis ein fester Teig entsteht. Die Konsistenz sollte nicht zu feucht sein, eventuell etwas Mehl nachgeben. Den Teig ca 20 bis 30 min ruhen lassen und dann dünn ausrollen. Mit Hilfe eines Glases oder kleinen Tellers runde Teigstücke von ca 10cm Durchmesser ausstechen.

Klassische Hackfleischfüllung:

400 gr Rinderhackfleisch

2 Zwiebeln

100 gr entsteinte grüne Oliven

1 rote Paprika

2 hartgekochte Eier

1-2 Knoblauchzehen

1 EL Kümmelpulver

Etwas Olivenöl zum Braten und Bestreichen der Teigtaschen

Salz, Pfeffer und gehackte Petersilie nach Belieben

Tipp: Wer es etwas intensiver im Geschmack mag kann auch Oregano, Zitronensaft oder Chili zum Würzen nehmen.

Zwiebeln würfeln und zusammen mit Hackfleisch scharf anbraten. Die übrigen Zutaten klein schneiden und hinzugeben, würzen, vermengen und bei mittlerer Hitze kurz garen. Abkühlen lassen. Ofen auf 200 Grad vorheizen.

Nun die Teigtaschen mit der Hackfleischmischung auf einer Hälfte füllen, den Rand mit etwas Wasser anfeuchten und die Tasche zuklappen. Damit das Ganze zusammenhält ist es am einfachsten die Ränder mit Hilfe einer Gabel zusammenzudrücken, sodass ein Randmuster entsteht. Traditionell kann man stattdessen die Ränder ineinander drehen. Nun die Teigtaschen mit ein wenig Olivenöl bestreichen damit sie beim backen schön goldbraun werden ( optional).

Danach die Empanadas auf ein Backblech legen und ca 15 bis 20 Minuten im vorgeheizten Ofen bei 200 Grad backen. Fertig!

Empanadas eignen sich übrigens super als Partysnack und man kann sie schnell und einfach zubereiten.

Viel Spaß beim Nachkochen und guten Appetit!

Crashkurs Argento: Was macht argentinisches Spanisch so besonders?

Du überlegst nach Argentinien zu reisen, dort zu studieren oder zu arbeiten? Oder vielleicht möchtest du dort einen Sprachkurs belegen? In jedem Fall solltest du wissen, dass sich argentinisches Spanisch in einigen Punkten von europäischem Spanisch unterscheidet. Allgemein bekannt ist ja sowieso, dass europäisches und lateinamerikanisches Spanisch nicht dasselbe sind und natürlich hat jedes Land und jede Region seinen Dialekt. Argentinien ist dabei aufgrund der markanten Aussprache ein besonderer Fall. Verständigen und verstehen können sich dennoch alle hispanonophen Nationen untereinander! Argentinisches Spanisch gilt oft sogar als besonders sexy. Wieso, weshalb, warum? In diesem Artikel stelle ich dir die Besonderheiten des in Argentinien geläufigen Spanisch, dem „Rioplatense“, vor.

Grammatik

Anders als in Spanien und den meisten anderen spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas wird für die Anrede „du“ nicht „tù“, sondern „ vos“ verwendet. Dabei spricht man vom „Voseo“. Der Voseo ist übrigens auch in Uruguay und Paraguay geläufig. Entsprechend ändert sich die Konjugation einiger Verben. Beispiel: „du bist“ wird zu „vos sos“ anstatt „tu eres“.

Während in Spanien die zweite Person Plural „Vosotros“ lautet, benutzt man in Lateinamerika und auch in Argentinien „Ustedes“, ebenfalls unter Anpassung der Konjugation. Beispiel: „Ihr seid“, „Ustedes son“, „Vosotros sois“.

Argentinier benutzen beim Sprechen außerdem die Präposition „de“ (von) oft inflationär und an Stellen, wo man sie eigentlich nicht unbedingt braucht.

Aussprache

Besonders markant unterscheidet sich die Aussprache der Argentinier von jener der Spanier und der in den Nachbarländern (außer Uruguay).

Das doppelte „ll“ und das „y“ werden in Argentinien wie ein deutsches „sch“ oder je nach Regionalem Dialekt wie das französische „j“ ausgesprochen.

Die Buchstaben C,S und Z werden allesamt wie ein „S“ ausgesprochen – umso einfacher wie ich finde. In manchen Regionen kann das „s“ am Wortende bei der Aussprache wegfallen.

Vokabular: Einflüsse und Missverständnisse 

Argentinien ist stark geprägt von verschiedenen Einwanderungswellen und ist ein klassisches Einwanderungsland. Fast 90% der 44 Millionen Argentinier haben europäische Wurzeln. Die Förderung der europäischen Immigration ist sogar fest in der argentinischen Verfassung verankert. Die meisten europäischen Einwanderer Argentiniens stammten abgesehen von den spanischen Kolonialisten aus Italien, gefolgt von Einwanderern aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Osteuropa. Diese Einwanderer trafen auf die einheimische índigene Bevölkerung, welche heute eine Minderheit darstellt. Ein echter Schmelztiegel der Kulturen!

Dies schlägt sich auch im Vokabular nieder. Besonders auffallen wird euch sicher die ständige Verwendung des „Che“. Nein, Argentinier sprechen nicht ständig über ihren Landsmann Che Guevara, sondern „Che“ wird zum einen im Sinne von „Hey“ aber auch zur universellen Anrede von Personen in einem informellen Umfeld benutzt. Ernesto Guevara benutzte das Wort „Che“ wohl besonders oft und erhielt deshalb von seinen kubanischen Kameraden den Spitznamen Che Guevara. Das Wort stammt ursprünglich aus der indigenen Sprache Guaraní und bedeutet „ich“ oder „mein“. Zum verabschieden wird in Argentinien ein kurzes „Chau“ benutzt, hergeleitet vom italienischen „Ciao“. Besonders in Buenos Aires und in der Jugendsprache werden bis heute noch umgangssprachlich Wörter aus der sogenannte Gaunersprache, dem Lunfardo, benutzt. Das Lunfardo setzt sich zum einen aus Lehnwörtern verschiedener Muttersprachen von Einwanderern sowie umgedrehten spanischen Wörtern zusammen: „Leche“ (Milch) wird dabei zu „Chele“, „Cana“ (Polizei) kommt vom französischen „canne“ (Stock).

Im Vergleich zum europäischen Spanisch gibt es übrigens ein paar Wörter die zu echten Missverständnissen bzw. Lachern führen können. Dies gilt zum Beispiel für das Wort „Coger“ (nehmen). In Spanien wird es ganz alltäglich benutzt, zum Beispiel „voy a coger el bus“ im Sinne d.h. „ich nehme den Bus“. In Argentinien sollte das Wort in den meisten Situationen jedoch lieber vermieden werden, denn hier bezeichnet coger auf sehr informelle Weise die Durchführung des Geschlechtsakts. In Argentinien solltest man also statt „coger“ je nach Kontext lieber „tomar“ oder „agarrar“ benutzen. Das gilt übrigens auch in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern.

Umgangssprache und Fluchen

Allgemein sprechen Argentinier oft sehr „locker“ und doppeldeutig, man könnte sagen „flirty“. Allgegenwärtig ist der Ausdruck „Qué onda…“.  Dies entspricht dem deutschen „Was geht“. „Onda“ bedeutet auf spanisch eigentlich „Welle“, wird in Argentinien jedoch oft gebraucht, um auszudrücken ob jemand gut oder schlecht drauf ist („buena/mala onda“). Generell spricht man sich auch unter Unbekannten direkt mit „vos“ an, es sei denn ihr sprecht mit einer Respektsperson, z.B. mit Beamten bei Behördengängen oder auch mit älteren Mitmenschen.

Geflucht wird häufig schon wegen Kleinigkeiten und Kraftausdrücke werden oft in Sätze eingebaut. Auch sollte es euch nicht schocken, wenn ein argentinischer Kumpel oder eine Freundin euch mit „boludo“ bzw. „boluda “ (d.h. Dummkopf) anspricht. Boludo hat eine ziemlich weite Bedeutung, von der liebevollen Ansprache unter Freunden bis hin zu einer echten Beleidung. Der Kontext macht den Unterschied . Häufig werdet ihr auch das Wort „Quilombo“ in Argentinien hören, es bedeutet soviel wie „Durcheinander“. Ursprünglich stammt das Wort von afrikanischen Einwanderern und bedeutet Bordell. Also auch eher Vulgärsprache, aber trotzdem in informellem Umfeld häufig im Gebrauch.

Hier noch eine kleine Vokabelliste mit mehr Beispielen für argentinisches Spanisch vs. europäisches Spanisch:

Spanisch in Argentinien

Was haltet ihr von argentinischem Spanisch? Habt ihr selbst Beispiele für Vokabular oder vielleicht sogar Missverständisse? Dann lasst gerne einen Kommentar da!

Willkommen in Argentinien: Anreise und Visum

Die gängigste Anreise nach Argentinien von Europa aus ist natürlich mit dem Flugzeug. Mindestens 10.000 km und ca 11 Stunden Flugzeit trennen Europa vom Flughafen Buenos Aires, je nachdem von wo aus ihr genau startet und ob ihr umsteigen müsst oder nicht.Die großen europäischen Fluggesellschaften kommen allesamt bislang nur am Flughafen Ezeiza in Buenos Aires an. Von dort aus könnt ihr dann mit einer anderen Fluggesellschaft weiterfliegen, falls ihr z.B. direkt nach Patagonien reisen möchtet. Sofern ihr nichts gegen einen Zwischenstopp in Brasilien habt, könnt ihr auch mit Tam bzw Latam von Europa aus über São Paolo oder Rio und dann ins argentinische Landesinnere fliegen – je nachdem wohin ihr möchtet, kann sich das eventuell lohnen. Allerdings ist Buenos Aires durchaus einen Aufenthalt wert bevor es weiter geht.

Flüge nach Argentinien sind generell recht kostenintensiv, d.h. oft nicht unter 1000 Euro für Hin- und Rückflug, was man bei der Reiseplanung bedenken sollte. Es lohnt sich also frühzeitig nach Angeboten zu schauen, eventuell nicht nur von Frankfurt aus mit Lufthansa, sondern auch von anderen europäischen Flughäfen aus. KLM /Air France hat zum Beispiel häufig gute Angebote von Amsterdam oder Paris nach Buenos Aires. Weitere Anbieter sind von Spanien aus derzeit Air Iberia, Air Europa und Aerolíneas Argentinas, sowie von Italien aus Alitalia. Zudem gibt es die Möglichkeit mit American Airlines, Delta oder British Airways von London aus über die USA nach Buenos Aires zu fliegen, was jedoch deutlich länger dauert. Auch die Verbindungen mit Qatar oder Emirates sind wegen der Zwischenstops ein wenig zeitintensiver. Ab 2018 will außerdem Norwegian Air günstige Direktflüge von London aus nach Buenos Aires anbieten, d.h. eventuell tut sich da bald was bei den Flugangeboten.

Touristenvisum

Bei der Einreise nach Argentinien erfolgt natürlich eine Passkontrolle. Zudem wird seit 2012 bei der Ein- und Ausreise euer Daumenabdruck sowie euer Gesicht gescannt. Die Grenzbeamten werden euch höchstwahrscheinlich kurz fragen warum ihr einreist und wo ihr euch aufhalten werdet. Dazu könnt ihr eine Privatadresse oder die Adresse eures Hotels angeben.

Als Deutsche, Österreicher oder Schweizer benötigt ihr zur Einreise einen mindestens 6 Monate gültigen Reisepass und erhaltet damit direkt am Flughafen ein 90-Tage Touristenvisum. Das bedeutet ihr müsst das Touristenvisum nach heutigem Stand (10/2017) nicht vorher beantragen. Falls ihr als Tourist länger als drei Monate in Argentinien bleiben möchtet, dürft ihr das Touristenvisum einmal bei der Einwanderungsbehörde Migraciones verlängern. In der Praxis ist es jedoch auch Gang und Gebe vor Ablauf des Visums einen Kurztrip in eines der Nachbarländer zu machen. Zum Beispiel von Buenos Aires aus nach Montevideo (Uruguay) oder von Iguazú aus auf die andere Seite der Wasserfälle nach Brasilien. Wenn man dann wieder nach Argentinien einreist bekommt man in der Regel ohne Probleme erneut das 90-Tage Touristenvisum.

Visum für Nicht-Touristen

Wer in Argentinien arbeiten, studieren, d.h. für längere Zeit leben möchte, benötigt eine temporäre oder dauerhafte „Residencia“, welche bei Migraciones beantragt werden muss. Mann kann dies vor der Einreise beim jeweiligen argentinischen Konsulat erledigen, allerdings sind dabei die Kosten um ein Vielfaches höher. Ihr könnt auch als Tourist einreisen und dann direkt vor Ort das Visum zum längeren Aufenthalt und damit auch für die Arbeitserlaubnis beantragen. Sobald der Antrag gestellt ist, erhält man einen vorläufigen Aufenthaltstitel, der alle drei Monate verlängert werden muss, bis der Antrag genehmigt oder eben abgelehnt wird, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Welches Visum ihr benötigt und welche Dokumente ihr dafür genau braucht hängt letztendlich von eurer individuellen Situation ab. Als Kind oder Ehepartner eines argentinischen Staatsangehörigen kann man zum Beispiel direkt den permanenten Aufenthaltstitel und einen DNI (Personalausweis) beantragen. Entsprechende Infos findet ihr auf der Webseite von Migraciones unter der Rubrik Tramites. Danach müsst ihr unter Residencia die Informationen zu „No Mercosur“ wählen. Meiner persönlichen Erfahrung nach ist auch das argentinische Konsulat in Frankfurt ein guter Ansprechpartner. Ich habe mich dort per E-Mail kundig gemacht und sehr schnell eine freundliche und kompetente Auskunft bekommen.

Habt ihr Tipps für günstige Flüge oder zum Visum? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Aktuelle Infos zu Visum und Einreise findet ihr hier:

 

http://www.migraciones.gov.ar/accesible/indexD.php

Hallo Argentina!

Bei Argentinien denkt man in deutschsprachigen Ländern ja meist zunächst an Fußball, Tango und Rindfleisch. Darüber hinaus vielleicht noch an Malbec, Gauchos und die Weiten Patagoniens. Eben die „typischen“ Klischees, die meist in Dokumentarfilmen und Reisereportagen aufgegriffen werden. Aber was hat das Land sonst noch zu bieten? Welche Sehenswürdigkeiten lohnen sich? Wie ist eigentlich so der Alltag in Argentinien und wie ticken die Argentinier? Was isst und trinkt man denn dort so, abgesehen von Steak und Rotwein?

Diese und weitere Fragen möchte ich euch auf meinem Blog beantworten.
Ich bin Deutsche und mein Mann ist Argentinier. Im Sommer 2017 sind wir in seine Heimatstadt Santa Fe im Zentrum Argentiniens gezogen. Seitdem entdecke ich die Lebensgewohnheiten, Esskultur und Marotten der Argentinier und möchte diese gerne auf meinem Blog teilen. Vor unserem Umzug ans andere Ende der Welt habe ich drei kürzere Reisen nach Argentinien gemacht und möchte nun, wo ich zeitlich flexibler bin, nicht nur den argentinischen Alltag kennenlernen, sondern natürlich auch die berühmten weiten Landschaften und Sehenswürdigkeiten besser erkunden.

Ich freue mich, wenn Ihr Lust habt mich dabei zu begleiten!

Länderinfos

Argentinien ist riesig: es ist das achtgrößte Land der Welt und erstreckt sich über einen Großteil der Südspitze Südamerikas. Die Hauptstadt ist Buenos Aires und insgesamt hat das Land ca 44 Millionen Einwohner – und gefühlt mindestens genausoviele Rinder! Landessprache ist Spanisch („Castellano“), allerdings unterscheidet sich Argentinisch deutlich von den übrigen Dialekten in Lateinamerika und erst recht von europäischem Spanisch. Dies betrifft sowohl Aussprache, als auch Grammatik und Vokabular. Dazu aber mehr in einem anderen Post.
Im Westen grenzt Argentinien an Chile, mit dem es sich quasi das Andengebirge „teilt“, und im Osten an den Atlantik und Uruguay. Im warmen Norden grenzt Argentinien an Bolivien, Paraguay sowie Brasilien und im kühlen Süden befindet sich mit Ushuaia die südlichste Stadt der Welt. Dementsprechend bietet Argentinien eine Vielzahl unterschiedlicher Klima- und Vegetationszonen: Wüste, Regenwald, Steppe, Berge, Gletscher etc. Da ist sozusagen für jeden was dabei. Die Entfernungen sind sehr groß und man sollte daher schon einige Zeit einplanen, wenn man eine Rundreise machen möchte!

img_0225